Navigation

Aktuelles

Neues EU-Bio-Recht ab 2022

Am 1. Januar 2022 tritt die neue EU-Bio-Verordnung in Kraft. Die EU-Bio-Basisverordnung VO (EG) Nr. 2018/848 vom 30. Mai 2018 ist dann das neue Grundgesetz für die Bio-Branche. Bis dahin gilt die aktuelle EU-Bio-Verordnung (VO 834/2007).

Expertenwissen zum neuen EU-Öko-Recht – einfach erklärt

In 11 Lerneinheiten bringen wir Ihnen den neuen Rechtstext Schritt für Schritt im Detail näher – ganz bequem und egal wo sie gerade sind: daheim, im Büro oder unterwegs. Die Online-Lernplattform org-lex.eu, die die BLQ zusammen mit der GfRS zur Verfügung stellt, finden Sie unter https://www.org-lex.eu. Wenn Sie Interesse an einer Kursteilnahme haben, wenden Sie sich bitte an e-learning@remove-this.gfrs.de

Nichts ist so beständig wie die Veränderung

Der EU-Rechtsrahmen für die biologische Produktion wird seit dem Inkrafttreten der ersten EU-Bio-Verordnung im Jahr 1993 stetig ergänzt oder überarbeitet.
Einer ersten großen Überarbeitung wurde das Bio-Recht 2007 und 2008 unterzogen. 2014 begann eine weitere Revision, die 2018 in die Veröffentlichung neuen Bio-Basisverordnung (VO 2018/848) mündete.
Am Sekundärrecht der VO (EU) 2018/848 wird noch gearbeitet. Es müssen noch einige wichtige Regelungen ergänzt werden, zum Beispiel präzisere Anforderungen an die Bio-Importe aus Drittländern.

▾ Erweiterung des Geltungsbereiches

Neben lebenden und unverarbeiteten Erzeugnissen einschließlich Saatgut und Pflanzenvermehrungsmaterial, verarbeiteten Lebens- und Futtermitteln sowie Produkten aus Aquakultur und Imkerei wurden weitere landwirtschaftsnahe Erzeugnisse in den Geltungsbereich der Verordnung aufgenommen. Dazu gehören Hefen, die als Lebens- oder Futtermittel verwendet werden, Mate, Zuckermais, Weinblätter, Palmherzen, Hopfentriebe und andere ähnliche genießbare Pflanzenteile und daraus hergestellte Erzeugnisse,Meersalz und andere Salze für Lebens- und Futtermittel (Erzeugungsvorschriften noch nicht veröffentlicht), Seidenraupenkokons, natürliche Gummis und Harze, Bienenwachs, ätherische Öle, Korkstopfen aus Naturkork (nicht zusammengepresst, und ohne Bindemittel),Baumwolle (weder gekrempelt noch gekämmt),Wolle (weder gekrempelt noch gekämmt), rohe Häute und unbehandelte Felle sowie traditionelle pflanzliche Zubereitungen auf pflanzlicher Basis.

Bio-Gastronomie
Die Anforderungen an die Bio-Zertifizierung von Küchen ist in Deutschland durch das Öko-Landbaugesetz national geregelt. Sie werden in Kürze durch eine neue Rechtsverordnung des BMEL konkretisiert.

Bio-Kritische Kontrollpunkte und Vorsorgemaßnahmen
Alle Betriebe und Unternehmen der ökologischen Lebensmittelwirtschaft sollen ab dem 1. Januar 2022 über ein Vorsorgekonzept im eigenen Verantwortungsbereich verfügen, mit dem das Kontaminationsrisiko von Bio-Produkten minimiert wird und eine wirksame Trennung von bio und konventionell sichergestellt wird. Die GfRS ist am BÖLN-Projekt Bio-KKP beteiligt. Entsprechende Vorsorgekonzepte sind bei den von uns zertifizierten Betrieben und Unternehmen unter der Bezeichnung "OCP-Konzept" seit vielen Jahren bekannt.

▾ Biologischer Pflanzenbau

Bio-Pflanzen brauchen echten Boden
Bio-Pflanzen müssen auf gewachsenem Boden mit Kontakt zum Unterboden wachsen, das gilt im Freiland wie im Gewächshaus. Nur Chicoree und Sprossen dürfen weiterhin nach den gängigen Verfahren erzeugt werden. Die Betriebe  können auch weiterhin Topfkräuter und Zierpflanzen in Töpfen und Containern aufziehen, wenn diese zusammen mit ihrem Topf bzw. Container an Endverbraucher:innen verkauft werden. Schnittlauchtreiberei wird ab dem 1. Januar 2022 wie bisher praktiziert nicht mehr möglich sein.

Pflanzenvermehrungsmaterial
In erster Linie soll Bio-Saatgut und -Pflanzgut verwendet werden. Umstellungssaatgut und - pflanzgut, geerntet 12 Monate nach Umstellungsbeginn, darf im eigenen Betrieb ohne Genehmigung verwendet werden. Wenn kein Bio-Pflanzenvermehrungsmaterial verfügbar ist, darf zugekauftes Umstellungsmaterial verwendet werden. Für konventionelle, nach der Ernte unbehandeltes Saat- und Pflanzgut ist i.d.R. auch weiterhin Ausnahmegenehmigungen über die Saatgutdatenbank erforderlich.  Die Bundesländer können Allgemeinverfügungen für gar nicht in Bio-Qualität verfügbare Sorten erlassen. Noch bis Ende 2035 sollen Landwirte und Gärtner konventionelles Saatgut zukaufen dürfen, wenn es in Öko-Qualität nicht verfügbar ist. Diese Frist soll 2028 noch einmal überprüft werden. Über die Jungpflanzenproduktion im Topf zur Weiterkultur wird in Brüssel noch verhandelt. Wir bringen unsere Expertise im Rahmen des Projekts LeitfadenBioZier ein und setzen uns für praxistaugliche Lösungen ein.

Bodenverbesserer, Dünge- und Pflanzenschutzmittel
Die Positivlisten finden sich in einem der sekundären Rechtsakte, der VO (EU) Nr. 2021/1165. Es gibt kaum Änderungen. Synergisten und Formulierungshilfsstoffe zu Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen bleiben zulässig, wenn sie nach Pflanzenschutzrecht zulässig sind.
Reinigungs- und Desinfektionsmittel im Bereich der tierischen Erzeugung finden sich im Anhang der vorgenannten Verordnung, in der pflanzlichen Produktion kommen gesetzliche Festlegungen erst zum Jahresbeginn 2024.

Im Fokus: Die Förderung der Bodenfruchtbarkeit
Sowohl auf dem Acker wie auch unter Glas und in Dauerkulturen muss die Bodenfruchtbarkeit über den Anbau von Stickstofffixierern, Gründüngung und die Förderung der Artenvielfalt erhöht werden.

▾ Biologische Tierproduktion

Erzeugungsregeln für Kaninchen und Geweihträger sind neu in die Verordnung aufgenommen worden.

Angebot von Biotieren
Auch für Bio-Tiere gibt es künftig eine Datenbank, mit deren Hilfe geprüft werden kann, ob Tiere aus Bio-Aufzucht verfügbar sind. Der konventionelle Zukauf soll wie beim Saatgut nur bis Ende 2035 erlaubt sein. Diese Frist soll 2028 noch einmal überprüft werden.

Futter für Biotiere
Es soll mehr Futter aus dem eigenen Betrieb oder - wenn dies nicht möglich ist - aus regionaler Kooperation stammen.
Bei Pflanzenfresser muß dieser Anteil ab dem 1. Januar 2022 60 % und ab dem 1. Januar 2024 70% betragen, für Schweine und Geflügel 30 % des Futters ab 1.1.2022.
Bis Ende 2026 dürfen Bio-Tierhalter noch 5% konventionelles Eiweißfutter an Ferkel und Küken verfüttern.
Zukaufs-Umstellungsfutter darf nur noch bis zu 25% der Jahresration verfüttert werden. Für eigenerzeugtes Umstellungsfutter gilt diese Grenze nicht, es darf unbeschränkt eingesetzt werden.

Endmast von Rindern ohne Freigeländezugang
Bullen und Ochsen benötigen ab dem 1. Januar 2022 auch während der Endmast Zugang zu Freigelände (bisher waren höchstens 3 Monate Endmast ohne Freigeländezugang möglich)

Anbindehaltung und Weidegang für Pflanzenfresser
Während sich bei der Anbindehaltung wohl nichts ändert, sollen Pflanzenfresser stets Weidegang haben, wenn Boden und Witterung dies zulassen. Schutzmöglichkeiten gegen Hitze und andere widrige Witterungsbedingungen müssen vorhanden sein.

Schweinehaltung
Die den Schweinen zur Verfügung stehende Nettofläche im Stall umfasst die Innenmaße der Buchten einschließlich Futtertrögen, jedoch ohne Futterspender. Freigelände muss für Schweine attraktiv sein und nach Möglichkeit mit Bäumen bewachsen sein. Unterstände sollen vorhanden sein und den Schweinen sollen Möglichkeiten geboten werden, ihre Körpertemperatur zu regulieren.

Geflügelhaltung: Wintergarten rechnet nicht mehr zur Stallfläche
Wintergärten (Veranden) für Legehennen sind zwar als Teil des Stalles in der neuen Bio-Verordnung verankert. Sie werden jedoch weder auf die Stallfläche angerechnet noch als Auslaufersatz anerkannt. Eine Anrechnung auf die Stallfläche ist nur möglich, wenn eine ganztägige Zugänglichkeit ohne Klappen zum Stall gegeben ist und wenn sie vom Außenklima unabhängig sind.

▾ Bio-Imkerei

Zukünftig können 20% des Bestands an konventionellen Schwärmen und Königinnen zugesetzt werden. In Katastrophenfällen darf auch Bio-Pollen genehmigt werden.

▾ Verarbeitung

Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln
Die Positivlisten für Zusatzstoffe und Verarbeitungshilfsmittel ändern sich nur wenig. Die bisher zulässigen konventionellen Zutaten nach Anhang IX VO (EG) Nr. 889/2008 dürfen noch bis zum 31. Dezember 2023 bis zu einem Gewichtsanteil von 5% zum Zeitpunkt der Verarbeitung eingesetzt werden.
Ab dem 1. Januar 2022 dürfen bei Bio-Lebensmitteln nur natürliche, aus Lebensmitteln gewonnene Aromaextrakte und natürliche Aromen aus dem namensgebenden Rohstoff (FTNF-Aromen z.B. natürliches Zitronenaroma) eingesetzt werden. Aromen werden in die Berechnung von Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs einbezogen.
Der Einsatz von Zutaten oder Stoffen mit technisch erzeugtem Nanomaterial in Bio-Lebensmitteln ist nicht erlaubt.
Die gesetzlich vorgeschriebenen Vitamine und Mineralstoffe dürfen Bio-Babyprodukten zugesetzt werden.

Herstellung von Bio-Wein
Die Herstellung von Bio-Wein ist in Anhang II Teil VI der VO (EU) 2018/848 geregelt.

Verarbeitung von Bio-Futtermitteln
Die in Teil A der DVO 2021/1165 benannten Einzelfuttermittel sind in Einzelfuttermittel mineralischen Ursprungs und sonstige Einzelfuttermittel gegliedert. Die mineralischen Einzelfuttermittel sind auf die jeweilige Nummer im Katalog der Einzelfuttermittel gemäß der VO (EU) Nr. 68/2013 referenziert.
Die zugelassenen sonstigen Einzelfuttermittel mit Ursprung in Pflanzen, Algen, Tieren und Hefen sowie die zugelassenen Futtermittelzusatzstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe wurden weitgehend übernommen. Neu sind bei den Futtermittelzusatzstoffen und Verarbeitungshilfsstoffen gecoatetes Natriumselenit-Granulat (Kennnummer 3b802) für alle Tierarten und Natriumselenat (Kennnummer 3b803), nur für Wiederkäuer.
Detailinformationen können den entsprechenden Positivlisten entnommen werden.

▾ Übergangsregelungen

Bio-Rohstoffe und fertig verpackte Bio-Produkte können über den 1. Januar 2022 hinaus zeitlich unbeschränkt abverkauft werden. Dies gilt auch für Halbfertigprodukte, die Weiterverarbeitung muss jedoch nach den neuen Regeln erfolgen.

▾ Links

Verordnung (EU) Nr. 2018/848 (bitte nutzen Sie die konsolidierte Fassung)