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Bio-FAQ für Landwirtschaft, Garten- und Weinbau

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Wenn Sie mehr wissen wollen, rufen Sie uns an.  Hotline: 0551 - 370 753 47

Wer darf Bio-Produkte vermarkten?

"Bio" und "Öko" sind bei Agrarerzeugnissen, Lebensmitteln und Futtermitteln geschützte Begriffe. Wer seine Produkte so kennzeichnet, muss an einem besonderen Zertifizierungverfahren teilnehmen und es wird regelmäßig überprüft, ob die Vorgaben der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau eingehalten werden. Auf dem Zertifikat, das nach der Prüfung ausgestellt wird, ist vermerkt, für welche Produkte der Betrieb Bio-Hinweise verwenden darf.

Hier finden Sie Links zur EU-Öko-Verordnung und Erläuterungen.

Was ist beim Zukauf im Bereich Pflanzenbau zu beachten?

Saatgut
Saatgut muss aus aus einer ökologisch wirtschaftenden Betriebseinheit stammen. Die Verfügbarkeit von ökologischem Saatgut wird über die Internetdatenbank organicXseeds: http://www.organicxseeds.com/ geregelt. Hier können Sie nach dem Angebot und Anbietern von Öko-Ware recherchieren. Nach dem Einloggen können Sie auch Ausnahmegenehmigungen für konventionellen Saatguteinsatz beantragen, sofern ökologisches Saatgut nicht in ausreichender Menge verfügbar ist.

Vegetatives Vermehrungsmaterial
Auch das Angebot an ökologisch erzeugtem vegetativem Vermehrungsmaterial wächst in der Internetdatenbank organicXseeds stetig. Für die Antragsstellung und Genehmigung von konventionellem vegetativem Vermehrungsmaterial gelten besondere Anforderungen, die je nach Bundesland unterschiedlich sind.
Konventionelle Pflanzkartoffeln können nur unter strengen Voraussetzungen beantragt werden.

Konventionelles Saatgut und vegetatives Vermehrungsmaterial darf nicht mit konventionellen Beizmitteln behandelt worden sein.

Düngemittel

Sobald der Nährstoffbedarf Ihrer landwirtschaftlichen Flächen nicht durch pflanzenbauliche Maßnahmen (Anbau von Leguminosen) und durch betriebseigene Düngemittel gedeckt werden kann, besteht die Möglichkeit (unter bestimmten Voraussetzungen) betriebsfremde Düngemittel aufzunehmen.
Der Betrieb muss in der Lage sein, den Bedarf für den Import von betriebsfremden Nährstoffen nachzuweisen.

Düngerzukauf ist immer als Ausnahme zu betrachten. Mineralische Stickstoffdünger oder aufgeschlossenen Phosphordünger können im Ökolandbau nicht eingesetzt werden. Im Anhang I der EU-Öko-Durchführungsverordnung sind alle zulässigen Düngemittel und Bodenverbesserer aufgeführt.

Pflanzenschutzmittel
Krankheiten und Schädlingen wird im biologischen Landbau in erster Linie vorbeugend begegnet. Pflanzenschutzmittel, die im ökologischen Landbau zulässig sind, können ausschließlich in der BVL-Liste (vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) eingesehen werden („Liste der Pflanzenstärkungsmittel“ sowie „Zugelassene Pflanzenschutzmittel - Auswahl für den ökologischen Landbau nach der Verordnung (EG) Nr. 834/2007“).

Auf unserer Linkseite für Öko-Betriebsmittel sind hilfreiche Links aufgeführt.

Was ist beim Zukauf in der Tierhaltung zu beachten?

Tierzukauf

Ist ein Tierzukauf erforderlich, soll dieser von Bio-Betrieben erfolgen. Wenn Tiere aus ökologischen Betrieben nicht in ausreichender Menge verfügbar sind, können unter bestimmten Voraussetzungen Tiere aus konventionellen Betrieben ausschließlich zu Zuchtzwecken hinzugenommen werden. Die Tiere werden  mit Zugang auf dem Öko-Betrieb unter Beachtung der tierartspezifischen Umstellungszeit umgestellt.

Einen bundesweiten Anzeigenmarkt, der auch eine Rubrik Tiere enthält, finden Sie bei www.biowarenboerse.de vom Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen.

Was ist bei der Fütterung zu beachten?

Die Tiere müssen mit ökologischen Futtermitteln gefüttert werden.

Dabei muss das Futter soweit als möglich vom eigenen Betrieb stammen:

  • mindestens 60% bei Pflanzenfressern
  • mindestens 20% bei Schweinen und Geflügel (oder in derselben Region erzeugt worden sein).

Pflanzenfresser, wie beispielsweise Rinder, Schafen und Ziegen,  ist  Weidegang zu gewähren, wann immer die Umstände dies gestatten.

In Anhang V Abschnitt 1 der Verordnung (EG) Nr. 889/2008 sind die zugelassenen Futtermittelausgangserzeugnisse mineralischen Ursprungs aufgeführt.

In Anhang VI der Verordnung (EG) Nr. 889/2008 sind die zugelassenen Futtermittelzusatzstoffe gelistet.

Generell gilt, dass die verwendeten Futtermittel, Futtermittelausgangserzeugnisse, Mischfuttermittel, Futtermittelzusatzstoffe und Behandlungsstoffe nicht unter der Verwendung von genetisch veränderten Organismen (GVO) bzw. aus oder durch GVO hergestellt sein dürfen.

Muss ich meinen Stall umbauen?

 

Die Tierhaltung im ökologischen Landbau muß artgerecht sein. Daher machen die EU-Rechtsvorschriften unter Anderem klare Vorgaben für Haltungseinrichtungen und Ställe.  Nicht jeder Stall, der vor der Umstellung auf ökologischen Landbau errichtet wurde, entspricht den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau. Eine Schweine- oder Rinderhaltung auf Vollspaltenböden oder eine Haltung von Legehennen in Kleinvolieren ist beispielsweise nicht zulässig. Allen (Säuge-)Tieren muss eine ausreichend große, feste, ausreichend trockene, eingestreute Liegefläche zur Verfügung stehen. Mindestens 50% der Stallfläche müssen planbefestigt sein. Weiterhin gibt es für alle Tierarten festgelegte Mindeststall- und Mindestauslaufflächen, welche im Anhang III der Verordnung (EG) Nr. 889/2008 aufgeführt sind. Gegebenenfalls müssen Ställe<s> </s>umgebaut und/oder Tierzahlen reduziert werden. Stallumbauten müssen nicht vor Beginn der Umstellung Ihres Betriebs abgeschlossen sein, sondern sind auch im Laufe der Umstellungszeit Ihres Betriebes möglich. Nähere Informationen können Sie dazu im Rahmen einer einschlägigen Umstellungsberatung erhalten.

Ist Anbindehaltung bei Rindern zulässig?

Anbindehaltung wird nur bei Kleinbetrieben mit Ausnahmegenehmigung der Behörde toleriert. Als Kleinbetrieb zählt ein Betrieb mit einer Anzahl (je nach Bundesland unterschiedlich) von 20 bzw. 35 Rinder zzgl. Nachzucht. Voraussetzung ist, dass ein Umbau nicht möglich ist, den Tieren mindestens zweimal pro Woche Zugang zu Auslauf gewährt, dies vom Betriebsleiter dokumentiert wird und die Anforderungen an Größe und Beschaffenheit der Liegeflächen (sauber und trocken, feste Bauweise) eingehalten werden. Zusätzlich muss während der Weidesaison solange wie möglich Weidegang angeboten werden.

Welche besonderen Anforderungen gelten für die Öko-Geflügelhaltung?

Die Länderarbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (LÖK, Arbeitskreis der Öko-Landesbehörden) hat sich unter Beteiligung von Wissenschaft, Wirtschaft, Anbauverbänden und Behörden mit bisher offenen bzw. nicht ausreichend geklärten Fragen zur ökologischen Geflügelhaltung beschäftigt und die Umsetzung der EU-Rechtsvorschriften für Geflügelhalter konkretisiert. Die jeweils aktuellen Anforderungen können Sie auf Anfrage von der GfRS erhalten.

Wie lange dauert die Umstellungszeit?

Voraussetzung für eine Anerkennung der Umstellungszeit ist, dass die Bestimmungen der EU-Rechtsvorschriften für den Ökologischen Landbau eingehalten werden. Die Umstellungszeit beginnt i.d.R. mit der Meldung der Fläche zum Kontrollverfahren, und zwar dann, wenn Sie alleiniger Bewirtschafter der Fläche sind.

1. Jahr
Noch kein Bio-Hinweis für Erzeugnisse aus dem Pflanzenbau möglich.

2. Jahr Pflanzenbau
Ab 12 Monate nach Umstellungsbeginn ist ein Hinweis auf die Umstellung in diesem Wortlaut möglich: Erzeugnis aus der Umstellung auf den ökologischen Landbau

2./3. Jahr Pflanzenbau
Bio-Hinweis für die Ernte von Kulturen, die 24 Monate nach Umstellungsbeginn gesät oder gepflanzt wurden. Bei Dauerkulturen können die Ernteprodukte 36 Monate nach Umstellungsbeginn mit einem Bio-Hinweis versehen werden.

In der Tierhaltung gibt es zwei Umstellungsvarianten (VO (EG) Nr. 889/2008 Art. 38 Absatz 1 und 2). Die gesamtbetriebliche Umstellung dauert i.d.R. zwei Jahre. Unter bestimmten Voraussetzungen und unter Beachtung der tierartspezifischen Umstellungszeiten kann die Umstellungszeit bei der getrennten Umstellung ggf. unter zwei Jahren liegen.

Wir empfehlen Ihnen für die Betriebsplanung eine Umstellungsberatung in Anspruch zu nehmen.

Wie häufig wird geprüft?

Mindestens einmal jährlich wird die Regelinspektion durchgeführt. Diese Jahresprüfung wird in der Regel angekündigt, damit der Betriebsleiter anwesend ist und auch die Buchführungsunterlagen vollständig zur Verfügung stehen.

Zusätzlich werden 20 bis 30% der Betriebe unangekündigt inspiziert. Betriebe mit einem hohen Risikofaktor bekommen grundsätzlich jährlich eine (oder mehrere) Zusatzinspektion/en.

Müssen wesentliche Mängel behoben werden, wird dies im Rahmen einer Nachinspektion überprüft.

Was wird bei der Bio-Inspektion geprüft?

Die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau geben mit Ihren Vorschriften den gesetzlichen Rahmen vor. Die Begehung vor Ort und die Prüfung von Warenströmen im Überprüfungszeitraum führen zum Inspektionsergebnis.

Spezielle Punkte für den Pflanzenbau

Fruchtfolge, Zulässigkeit der verwendeten Betriebsmittel wie Düngemitteln und Bodenverbesserern, Pflanzenschutzmittel, Herkunft des Saatguts.

Wichtige Punkte für die Tierhaltung

Tierhaltung und Bestandsführung im Verlauf des Überprüfungszeitraums, Fütterung, Futterzukauf, Umgang mit den Tieren, Krankheitsvorsorge und tierärztliche Behandlungen, Überprüfung eventueller Ausnahmegenehmigungen.

Warenfluß

Der Warenfluss ist zentraler Bestandteil der jährlichen Betriebsprüfung. Dabei wird überprüft, ob z.B. die verkauften Öko-Erzeugnisse mengenmäßig im Betrieb produziert worden sein können oder ordnungsgemäß zugekauft wurden.

Welche Kosten entstehen?

Die Abrechnung unserer Zertifizierung erfolgt aufwandsbezogen nach dem GfRS-Leistungskatalog Bio-Zertifizierung.

Wo kann ich mehr erfahren?

Links für Landwirte und Gartenbauer
http://www.oekolandbau.de/erzeuger/
Erzeugerbereich des Ökolandbau-Portals mit vielen Informationen zum Bio-Anbau. Für Betriebe mit Hofverarbeitung ist auch der Bereich für Verarbeiter interessant.